… schon wieder eine Blasenentzündung bei meiner Katze?

Dauernd auf die Katzentoilette laufen und herumscharren, blutiger Harn oder Unsauberkeit sind die auffälligsten Symptome einer Blasenentzündung bei Katzen. 

Doch warum haben so viele Katzen immer wieder eine Cystitis – sind sie so empfindlich gegenüber Verkühlungen? Oder ist gar das Trockenfutter schuld?

Warum bekommt eine Katze eine Blasenentzündung? Stress bei Katzen als Ursache

In verschiedenen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass Katzen, die an dieser Form der wiederholten Blasenentzündung erkranken, neurobiologisch anders funktionieren als gesunde Katzen. Sie sind offensichtlich nicht in der Lage mit den kleinen alltäglichen Stressfaktoren so locker zu recht zukommen wie gesunde Katzen.

Diese als Feline Interstitielle Cystitis (FIC) bezeichnete Blasenerkrankung hat ihre Ursachen also nicht vorrangig in den Harnwegen, sondern beginnt an ganz anderer Stelle im Körper: in der Psyche und dem hormonellen Regelsystem für die Stressbewältigung. Es besteht sogar der Verdacht, dass auch bei anderen Symptomen der Katze wie Hautentzündungen, Asthma oder chronischen Magen-Darmerkrankungen eine Verbindung zu dieser veränderten Stressreaktion gegeben sein könnte. Demnach wären dies möglicherweise nicht getrennte Erkrankungen, sondern ein und dieselbe Störung, die sich nur individuell in unterschiedlichen Organsystemen zeigt. Wissenschaftliche Untersuchungen der nächsten Jahre werden zeigen, ob das auf uns Menschen so entspannt wirkende Tier Katze nicht doch ein sehr empfindliches Nervenkostüm hat.

Die beeinträchtigte Stressverarbeitung führt zur dauernden Anspannung, die sich natürlich nachteilig auf Gesundheit und Wohlbefinden der Katze auswirkt.

Woran erkenne ich eine Blasenentzündung bei Katzen?

Der Harnabsatz ist für die betroffenen Katzen ganz offensichtlich hoch schmerzhaft, sie graben ausdauernd in der Katzenstreu, suchen in ihrer Verzweiflung immer wieder neue Ausscheidungsorte. Manche Katzen jammern auch und es werden nur wenige Tropfen Harn ausgeschieden. Stark konzentrierter oder sehr saurer Harn kann in weiterer Folge die entzündete Blasenschleimhaut noch weiter reizen und die Symptome verstärken.

Komplikationen sind insbesondere beim Kater möglich, dessen enge Harnröhre sehr leicht verstopfen kann, wenn sich im Harn entzündungsbedingt vermehrt Eiweiss, Blut oder auch Harnkristalle befinden. Es muss daher immer unbedingt geklärt werden, ob die Harnblase voll oder leer ist, wenn eine Katze wiederholt kleine Mengen Harn absetzt. In den Phasen dazwischen macht die Katze einen scheinbar gesunden Eindruck, sie frisst und trinkt normal. Milde Krankheitsschübe fallen oft nur dadurch auf, dass die Katzen öfter als die typischen zwei- bis dreimal täglich Harn absetzen.

Bei der Untersuchung ist der Harn bakterienfrei, aber meistens deutlich sichtbar, auf jeden Fall aber mit Teststreifen nachweisbar, blutig. Harnkristalle sind nicht immer zu finden. Es gibt keine wirklichen körperlichen Auslöser und scheinbar erklärt nichts im Leben der Katze diese schmerzhaften Entzündungen.

Ursachen für eine Cystitis bei Katzen

Meine Katze hat doch keinen Stress!

So oder ähnlich lautet die Antwort, wenn die Diagnose Feline interstitielle Cystitis feststeht und neben der Akutbehandlung langfristig Stress reduziert werden soll. Nicht immer können die auslösenden Stressfaktoren eindeutig identifiziert werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Katze nicht subjektiv sehr wohl gestresst sein kann. Allein die Tatsache, dass die Katze immer wieder eine Blasenentzündung ohne erkennbare Ursache wie Bakterien oder Harnkristalle hat, beweist, dass sie überempfindlich auf Stress reagiert. Und selbst wenn einige der auslösenden Stressfaktoren wie eine unharmonische Beziehung zur Partnerkatze, Kleinkinder, ein neuer Lebensgefährte oder lange Phasen des Alleinseins bekannt sind, bedeutet es noch nicht, dass diese einfach beseitigt werden können.

In sehr vielen Fällen wird also zusätzlich die Fähigkeit der Katze, mit alltäglichem Stress umzugehen, verbessert werden müssen.
Bei manchen Katzen verschwindet diese Blasenentzündung nach ein paar Tagen wieder von alleine. Das bedeutet jedoch nicht, dass man auf eine Behandlung verzichten soll, denn auch drei bis fünf Tage Schmerzen beim Harnabsatz sind zu viel!

Für die akute Therapie sollte deshalb auf jeden Fall eine schmerz- und entzündungshemmende Medikation ganz oben stehen, Antibiotika sind nur in den Fällen sinnvoll, wo sich Bakterien in der kranken Blase breit gemacht haben.

Strategien zur Behandlung von Blasenentzündungen bei Katzen

Langfristige Behandlungsstrategien sollen vor allem verhindern, dass eine betroffene Katze immer wiederkehrend oder sehr schwere Blasenentzündungen bekommt. Da es sich ja um eine veränderte Neurobiologie handelt, ist die völlige Ausheilung bei der Felinen interstitiellen Cystitis derzeit leider noch nicht möglich. Allerdings bleiben gut betreute Katzen mit einem optimierten Umweltmanagement weitgehend symptomfrei und damit gesund.

Zur langfristigen Behandlung gehören neben einer angepassten Fütterung auch alle Ressourcen, die für das psychische Wohlbefinden der Katze wichtig sind sowie unterstützende Nahrungsergänzungen:

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  • Wichtige B-Vitamine zur Unterstützung des Nervensystems
  • Hochverfügbares Zink

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  • ​​​​​​Mindestens fünf kleine Mahlzeiten, um Stress durch lange Hungerphasen vorzubeugen
  • Feuchtfutter, wenn die Katze es gerne frisst, weil damit der Harn weniger konzentriert und das Risiko für Kristalle geringer wird
  • Attraktives Wasserangebot mit verschiedenen Wasserquellen – stehend und bewegt, an diversen Orten und unterschiedlichen Gefässen
  • Optimale und komfortable Katzentoiletten – offen und ausreichend gross, an mehreren Standorten mit einer katzengerechten feingranulierten Einstreu
  • Warme und sichere Versteckmöglichkeiten, an denen sich die Katze gut entspannen kann
  • Ausreichend Beschäftigung und Abwechslung, um dem Stressfaktor Langeweile vorzubeugen
  • Allgemeine Lärmreduktion – Katzen sind sehr geräuschempfindlich
  • Möglichst harmonische Beziehungen zu anderen Katzen im Haushalt unterstützen
  • Nahrungsergänzungen, die psychisch entspannend, emotional stabilisierend wirken oder die Blasenwand schützen – entweder als fertige Diät oder als Nahrungszusatz.

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Feline Interstitielle Cystitis (FIC):

Wie kann ich eine Blasenentzündung  bei meiner Katze feststellen?

  • Wiederholtes Aufsuchen der Katzentoilette in kurzen Abständen ist ein Alarmzeichen!
  • Vor allem bei Katern kann die Harnröhre leicht blockieren, wodurch in wenigen Stunden ein lebensbedrohlicher Zustand entsteht!
  • Beim Reinigen des Katzenklos auf Anzahl und Größe der Klumpen achten, hilft bei der Überwachung von betroffenen Katzen – 2-3 klein- bis mittelapfelgrosse Klumpen sind normal

Was kann ich tun bei Blasenentzündungen?

  • Wasserangebot optimieren durch verschiedenen Trinkgefässe, Standorte, stehendes und bewegtes Wasser im Katzen-Trinkbrunnen
  • Trockenfutter durch Feuchtfutter ersetzen, wenn die Katze es gerne annimmt – radikale Futterumstellung kann auch Stress auslösen!
  • Stress bei der Katze reduzieren ist die Basis der Behandlung: Sichere und angenehme Rückzugsplätze schaffen, interaktives Spiel zur Entspannung, im Mehrkatzen-Haushalt die Beziehungen zwischen den Katzen genauer betrachten und verbessern

Autorin: Tierärztin Sabine Schroll

(Krems an der Donau, Österreich)

Tierärztin Sabine Schroll hat in Österreich eine Praxis nur für Katzen mit Spezialisierung auf Verhaltensmedizin und ist Autorin mehrerer Fachbücher rund um die Themen Verhaltensprobleme und Verhaltensauffälligkeiten bei Katzen. Ziel ihrer Arbeit und Forschung ist es grundlegende Missverständnisse zwischen Katzen und Katzenhaltern zu klären und für ein harmonischeres Zusammenleben zu sorgen und über Katzenverhalten aufzuklären. Seit fast zwanzig Jahren lebt sie mit mehreren Katzen, ihrer Boygroup, zusammen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und freuen uns jederzeit darüber, von Ihren Erfahrungen zu hören. 

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